Auf dieser Internetseite können Sie sich in verschiedenen Galerie-Ordnern Bilder des Fotografen Dietmar Riemann ansehen. Es sind Fotografien aus den Jahren 1979 bis 1989 - also Bilder, die das letzte von vier Jahrzehnten “real existierenden Sozialismus” der DDR spiegeln.
Der Autor des hier wiedergegebenen “Spazierganges” lebte bis September 1989, bis zu seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik, im Osten Deutschlands.
Riemann studierte an der Leipziger Hochschule für Buchkunst und Grafik Fotografie. Er war Mitglied im Verband der Journalisten (VdJ) der DDR und im Verband Bildender Künstler (VBK). Bekannt wurde der Fotograf mit Ausstellungen und Buchveröffentlichungen, unter anderem durch den damals Aufsehen erregenden Bildband mit Franz Fühmann “Was für eine Insel in was für einem Meer - Leben mit geistig Behinderten”, der 1986 im Rostocker Hinstorff Verlag erschien.
Im Januar 1986 stellte Dietmar Riemann zusammen mit seiner Frau Marga und seiner kleinen Tochter Hella einen sogenannten Ausreiseantrag, also einen Antrag auf “ständige Ausreise” aus der DDR. In der offiziellen Terminologie der DDR-Bürokratie hieß dieser Antrag “Übersiedlungsersuchen ins nichtsozialistische Ausland”. Dieses “Ersuchen” war rechtswidrig. Verbunden damit war außerdem ein “Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR”. Damit gaben sich Riemanns aus Sicht der Machthaber als “Feinde der Republik” zu erkennen...
Mit der Antragstellung fängt der Fotograf an, heimlich zu dokumentieren. Riemann führt akribisch Tagebuch. Gleichwertig und parallel zum Text arbeitet er an einem visuellen Gegenstück. Es entstehen zwei fotografische Serien, die Bildreihen “Wände, Mauern, Zäune - und andere Begrenzungen” und “Schaufenster”. Aus einer weit größeren Anzahl von DDR Fotos wurden während der Arbeit am Tagebuch etwa 600 Bilder ausgewählt. In den Galerie-Ordnern “DDR Schaufenster” und “DDR Wände-Mauern” kann man einige dieser Bilder sehen.
In einer Schrift, die von der Albert-Ludwigs Universität Freiburg zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt und Ausstellungsvorhaben zum Tagebuch einer Ausreise von Riemann verbreitet wurde, formulieren die Fachbereiche Kunstgeschichte und Wissenschaftliche Politik:”...Riemanns Bilderserien ...erlauben einen Einblick in eine untergegangene Welt, die bis heute nachwirkt. ...Riemann fotografiert unprätentiös, ohne Effekthascherei, ...seine Fotografien haben nichts Maniriertes, nichts Expressives. Sie sind aber in hohem Maße kalkuliert und komponiert. Die außerordentlich hohe Qualität und die traurige Art der Schönheit der DDR Bilder ist Voraussetzung dafür, daß die Betrachter nicht nur Situationen erkennen, sondern sich auch wirklich mit ihnen auseinandersetzen. Gerade in der Reihung tritt die Ähnlichkeit und die Bedeutung der Bilder zutage. ...Die Entscheidung, die Fotos sehr klar zu bauen und ...das Wichtige in die Mitte der Fotos zu rücken, macht die Bilder präzise, eingängig und geradezu ikonenartig. ...Es gibt kaum ein anderes fotografisches Werk, das Alltägliches aus der Endzeit der DDR auf so hohem Niveau dokumentiert. ...”
Die Berliner “Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR” (BStU) hat das Tagebuch - und einige der hier wiedergegebenen Fotografien - Ende 2005 unter dem Titel “LAUFZETTEL - Tagebuch einer Ausreise” herausgegeben und bei dem Göttinger Verlag Vandenhoeck und Ruprecht verlegt. ( 512 Seiten, sowie zwei Tafelteile mit 55 Abb. auf 32 Seiten, außerdem eine historische Einführung von Bernd Eisenfeld ins Thema und ein Dokumentenanhang mit 18 Abb., gebunden 29,90 €, ISBN 3-525-35800-8).
Auch die Bilder in den Galerie-Ordnern “Leben-Alltag”, “Portraits” und “Stadt-Land” entstammen fast ausschließlich größeren Projekten. Sie sind Buchvorhaben (teilweise veröffentlicht) oder thematischen Mappen-Werken entnommen.
Außer den gezeigten DDR Fotos gibt es in Riemanns Werk auch Landschaften und Stillleben - also Bilder ohne offensichtlichen Bezug zum Staatsgefüge DDR. Diese Fotografien fehlen hier weitestgehend.
Natürlich hat der Fotograf Dietmar Riemann nach der “Wende” weiterfotografiert - durchaus auch gesellschaftskritisch. Einige dieser Arbeiten kann man sich auf der Seite Neue Galerie ansehen.